Atmung – der Schlüssel zu Gesundheit und Wohlbefinden
Ganzheitliche Wirkung der Atmung
„Die modernen Menschen entwickelten die miserabelste Atmung der Geschichte. Keiner atmet schlechter im Königreich der Tiere.“
James Nestor, Breath – Atem. Neues Wissen über die Kunst des Atmens
Wir haben verlernt, gesund zu atmen – durch einen Lebensstil, der nicht unserer Natur entspricht. Zeit- und Leistungsdruck, ständige Erreichbarkeit, technisierte Umgebung, Bewegungsmangel und unausgewogene Ernährung führen dazu, dass viele Menschen zu flach, zu schnell, zu oft – und vor allem durch den Mund atmen.
Dabei ist das Wissen über gesunde Atmung in uns angelegt – von Geburt an. Die gute Nachricht: Wir können uns wieder daran erinnern. Mit bewusster Wahrnehmung und einfachen Atemübungen lässt sich ein natürliches, gesundes Atemmuster wieder erlernen.
Wie bereits die alten Yogis, tibetischen Gelehrten und moderne Atemexperten wussten: Der Atem ist der Schlüssel zur körperlichen, seelischen und geistigen Gesundheit. Unsere Atmung spiegelt unser Leben – sie verändert sich mit Stress, Angst, Überforderung oder ungelösten Traumata. Diese Einflüsse können zu einem dysfunktionalen Atemmuster führen, das dem Körper langfristig schadet.
Falsches Atmen –
Zahlen & Fakten
Wussten Sie, dass ...
- in Deutschland ca. 32 % der Bevölkerung unter ostruktiver Schlafapnoe (OSA) leiden?
- auch Menschen, die nicht schnarchen eine OSA haben können?
- der Körper durch Mundatmung nach 40% Feuchtigkeit verliert?
- Schnarchen die Tagesmüdigkeit stark erhöht und die Betroffen somit ständig erschöpft und unkonzentriert sind?
- eine verstopfte Nase, Allergien und Rhinitis das Risiko erhöhen an Asthma zu erkranken und dass sich diese Erkrankungen bereits im Kindesalter manifestieren?
- fast 60% der Kinder im Grundschulalter chronische Mund- bzw. Brustatmer sind?
- Menschen mit Diabetes über 70% an OSA leiden?
- OSA und Mundatmung ein Grund dafür sind, dass sich ADS und ADHS entwickeln können?
Mundatmung für einen permanenten Stressmodus im Körper sorgt, somit wird mehr Glucose ausgeschüttet und das Risiko für Diabetes steigt.
- Mundatmung zu Bluthochdruck und anderen Herz-Kreislauferkrankungen führen kann?
- Angststörungen und Depressionen ihre Ursache in einem falschen Atemmuster haben können?
Die Nase – das unterschätzte Atmungsorgan!
Die meisten Menschen wissen, dass die Nase die Atemluft reinigt, erwärmt und befeuchtet. Doch die viel tiefergehende Bedeutung der Nasenatmung ist kaum bekannt:
- Sie hilft, den Blutdruck zu regulieren.
- Sie beeinflusst den Menstruationszyklus und die Erektionsfähigkeit.
- Wenn durch die Nase geatmet wird, weiten sich die Blutgefäße bis in die Zehen.
- Die Nase speichert zudem Erinnerungen, wie Studien zeigen.
Stickstoffmonoxid (NO)
In der Nase – besonders in den Nasennebenhöhlen – wird Stickstoffmonoxid (NO) gebildet. Dieser körpereigene Stoff:
- wirkt antibakteriell, antiviral und antimykotisch
- sorgt für freie Atemwege
- erweitert die Bronchien und verbessert die Durchblutung der Lunge
- ermöglicht einen effizienten Gasaustausch
Bei Mundatmung wird dieser Weg umgangen – der Körper profitiert nicht vom NO. Hier kann eine funktionelle Behandlung (z. B. Dentosophie) helfen, die Atmung dauerhaft auf die Nase umzustellen.
Deshalb ist Mundamtung nicht förderlich
Wie oben beschrieben bleiben bei der Atmung durch den Mund die Filter- und Reinigungsfunktionen der Luft aus und die Luft wird nicht angefeuchtet oder erwärmt. Deshalb haben Menschen mit Mundatmung ein erhöhtes Risiko für Infektionen oder Reizungen der oberen Atemwege. Die Sauerstoffaufnahme ist verringert, weil die unterstützende Funktion des NO umgangen wird. Besonders im Schlaf macht sich dies dann bemerkbar durch fehlende Tiefschlafphasen und Schlafapnoe.
Das Ein- und Ausatmen der Luft durch den Mund bewirkt außerdem, dass die Mundschleimhäute und auch die Lippen austrocknen. Die Folge sind trockene, eingerissene Lippen, Zahnfleischentzündungen, erhöhte Kariesanfälligkeit und Müdigkeit bzw. Energielosigkeit.
Bei Kindern mit chronischer Mundatmung sind zudem schmale Oberkiefer mit spitzen (gotischen) Gaumen zu beobachten, weil die Zunge nicht am Zungenruheplatz, also oben am Gaumen, liegt. Der Unterkiefer ist meist rückverlagert, auch als „fliehendes Kinn“ bekannt. Es entwickelt sich meistens ein Zahnengstand oder Zahnfehlstellungen, die dann kieferorthopädisch versorgt werden, wobei die dysfunktionalen Muster, die zu diesen Fehlstellungen geführt haben, nicht beseitigt werden und sich die Zähne dann nach einer kieferorthopädischen Behandlung wieder verschieben.
Mundatmung bei Kindern – ein Teufelskreis an Problemen!
- Die Zunge liegt unten im Mund, dadurch wird die gesamte Mundmuskulatur schlaffer
- Das Mittelohr wird nicht gut belüftet – es sammelt sich oft Sekret hinter dem Trommelfell – Mittelohrentzündungen oder Paukenergüsse sind die Folge.
- Sehr oft sind die Rachenmandeln vergrößert, dadurch kann wieder schlecht durch die Nase geatmet werden.
- Weniger Nasenatmung bedeutet auch, dass sich die Nase und die Nasennebenhöhlen nicht optimal entwickeln können, denn „Form folgt der Funktion“
All die aufgeführten Probleme verursachen bei den meisten Kindern, nach meiner Erfahrung, Probleme in der Sprachentwicklung, weil das Hören in sensiblen Sprachentwicklungsphasen nicht stattfinden kann und sich die Hörwahrnehmung und auch die orale Wahrnehmung verändern.
Ein gesunder Atem – der erste Schritt zur Veränderung
Die Atmung ist mehr als nur ein biologischer Prozess. Sie ist Verbindung zwischen Körper und Geist, zwischen Innenwelt und Außenwelt. Wenn wir lernen, wieder bewusst zu atmen, verbessern wir nicht nur unsere Gesundheit – wir verändern unser gesamtes Lebensgefühl.
Die gute Nachricht
Wir müssen nichts Neues erlernen. Wir dürfen uns nur an das erinnern, was unser Körper schon immer konnte. Mit Achtsamkeit, gezielten Atemübungen und funktionellen Ansätzen, wie der Dentosophie, kann jeder Mensch den Weg zurück zu einer natürlichen, gesunden Atmung finden.
Der Atem ist Leben.
Und gesundes Atmen ist der erste Schritt in ein gesundes, bewusstes Leben.
Quellen:
Breath – Atem. Neues Wissen über die vergessene Kunst des Atmens, James Nestor.
Die Buteyko-Methode. Wie wir unsere Atmung verbessern für mehr Gesundheit und Leistungsfähigkeit im Alltag, Beruf, Yoga und Sport, Ralph Skuban.